Sprachliche Kompetenzen im biologischen Fachunterricht. Eine Analyse der niedersächsischen Kerncurricula

Sarah Olthoff

Abstract

ZUSAMMENFASSUNG

Fachliche Inhalte werden im Unterricht immer durch Sprache transportiert und vermittelt. Daher muss der biologische Fachunterricht die Schülerinnen und Schüler immer auch zu einem kompetenten Umgang mit der fachspezifischen Sprache befähigen.  Da Kerncurricula einen wichtigen Orientierungsrahmen bei der Unterrichtsplanung - und gestaltung darstellen, sollte die fachspezifische Sprache entsprechend in den Kompetenzbeschreibungen wiederzufinden sein.

Die ´Kommunikation´ wird in den Kerncurricula als prozessbezogene Kompetenz verortet. Dies suggeriert zunächst die Relevanz die der Rezeption und Produktion der fachspezifischen Sprache zugesprochen wird. Allerdings nimmt dieser Kompetenzbereich einen verhältnismäßig kleinen Anteil im Kerncurriculum ein. Die Analyse der explizit sprachlichen Handlungsanforderungen zeigt, dass diese hingegen einen wesentlichen Bestandteil, vor allem in den inhaltsbezogenen Kompetenzen, einnehmen. Dies bestätigt den untrennbaren Zusammenhang der (fach-) sprachlichen und der fachlichen Inhalte und legitimiert zudem die Umsetzung eines sprachsensiblen Fachunterrichts.

ABSTRACT

Technical contents in lessons are primarily transmitted and communicated by language. Therefore, biology lessons should always aim at enabling pupils to cope professionally with subject-specific language. This competence doesn’t represent an additional goal but it is rather inherently included in the subject’s learning target. As the core curriculum displays an important orientation factor for the planning and the arrangement of lessons, the subject specific language should be contained in the competence description accordingly. The intention of this present article is to show the relevance and implementation of language supporting measures based on an exemplary analysis of the Lower Saxon core curriculum.

´Communication´ is classified as a process-oriented competence in the Lower Saxon core curriculum. Initially, this suggests the relevance that the reception and production the subject-specific language is ascribes to. However, this competence field merely takes up a small part of the core curriculum. In contrast, the analysis of the explicit language requisition of action shows that language requirements take up an essential part especially in the content-related competences. This confirms the correlation between linguistic and technical contents and, furthermore, it legitimizes the implementation of language sensitive teaching also in other federal states.

Schlagworte

Sprachsensibler Fachunterricht; Sprache im Biologieunterricht; Sprachliche Handlungsanforderungen; Kerncurricula

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DOI: 10.4119/UNIBI/zdb-v22-i1-335

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